Tuesday, 21 February 2017

Der alte Maler

Die Jahre sitzen ihm in allen Knochen,
nur langsam schlurft er durch das Atelier
zur Küche, um sich schwarzen Tee zu kochen
und manchmal (für den Kreislauf) auch Kaffee.

Beim Gießen mit der Kanne zittern Finger,
die Knöchel an der Hand sind dick und rot,
und er verflucht die unbrauchbaren Dinger;
den Pinsel halten sie mit Müh und Not.

Der Tee - er füllt ihn halb nur in die Tasse,
der Rest davon ergießt sich auf Papier.
Verfärbt die Skizze einer alten Gasse,
schraffiert in mittelmäßiger Manier.

Schon längst genügt nicht mehr die treue Brille,
die Ränder seines Sehns sind trüb verwischt.
Einst sah er um sich reine Farbenfülle.
Nun sieht er, wie die Welt um ihn erlischt.

Er fühlt, wie Tag für Tag durch viele Lücken
der Leinwand seine Lebenskraft entrinnt.
Zuvor lag noch im Pinselstrich Entzücken,
wo nun der Überlebenskampf beginnt.

Und an die Wand gelehnt, die vielen Bilder;
für ihn zuletzt nur Zeugnis von Verlust.
Er war, doch wird nie mehr ein "Junger Wilder".
Der Umstand ist ihm länger schon bewusst.

Er würd so gerne sich noch einmal betten
in Farben, Formen, leicht gesetzt von Hand.
Die Malerwürde will er für sich retten -
mit einem Streich setzt er das Holz in Brand.



.feb_2017