Friday, 7 April 2017

Stockwerk fünfunddreißig

Er lebt schon seit er denkt in seiner Blase
in Stockwerk fünfunddreißig, Stiege vier,
wo mal von links, mal rechts des Baukrans Nase
vorüberschwenkt und -gleitet. Vor die Tür
geht er schon längst nicht mehr; die vielen Stimmen,
sie zerren an ihm, suchen ihn zu biegen.
Doch können seinen Turm sie nicht erklimmen!
Noch wird er ihrem Drängen nicht erliegen!

Einst lebte er mit Mutter hier. Gegangen
ist sie von ihm vor ewig dunklen Zeiten.
Seitdem ist er in diesem Loch gefangen,
versucht er mit Vergessen zu bebreiten
die Flure, Winkel, Kammern - Zeitretorten,
befüllt mit Tüten, Kisten, Magazinen
erschafft er emsig sich an allen Orten.
Besuch lässt er nie ein, denn ihre Mienen

verstörn, ermahnen, ekeln ihn zu heftig.
Die kleine Rente reicht zum Glück zu bannen,
was immer ihn zu tief, zu hart, zu kräftig
berühren könnte an den alten Schrammen.
Den Pizzamann kennt er bereits seit Jahren,
Kartons mit Rändern, Flecken, Essensresten -
verfeinert über Jahre das Verfahren,
mit ihnen all die Mauern seiner Festen

mit Mänteln auszukleiden, zu verstärken;
In vielen Zimmern kann er nur noch stehen.
Und nie ist er zufrieden mit den Werken;
es muss noch höher, dichter, sichrer gehen!
Allein die Post zu holen ist gefährlich -
gottlob bleibt man im Block hier anonym!
Er hält sich ohnehin für höchst entbehrlich.
Was könnte man schon wollen - grad von ihm?!

Stets lebt er im Gefühl, dass nicht geborgen
und schutzlos, ohne Sinn in seinem Leben,
er vielmehr sitzt als steht. Und dass den Sorgen
er nie so recht entkommt in all dem Streben.
Stets fühlt er sich nur halb und kann nicht fassen,
was er mit aller Macht zu halten sucht.
Stets hockt er hier, allein, in all den Massen;
vergessen, ungeliebt und wie verflucht.




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