Friday, 25 August 2017

in sicherheit

zu dritt zwei zimmer, küche, bad;
mutter, schwester und ich.
mutter schlief im wohnzimmer.
all unsre wege
führten stets an ihr vorbei.

auch der zum viel zu dunklen flur
mit den portraits der ahnen;
düster, streng und unnahbar
in kinderaugenhöhe vor der toilettentür;

mich ihnen und verschlingensängsten stellen:
spülung ziehn und los!
das sichere wohnzimmer erreichen
bevor der schwall zu mächtig,

die fremden gesichter zu mahnend,
der riss in der leinwand zu bedrückend,
das guckloch der wohnungstür sehend
und die finsternis greifbar wurden

mein leo:
"berühren deine zehen wohnzimmerparkett
bevor das rauschen dich an den ohren packt,
wird alles gut!"
mein geheimnis

und auf dem schulweg
noch lange jahre später
ein selbsterdachtes kinderorakel:
noch vor dem nächsten fahrzeug
die fuge im gehsteig zu passieren,
verhieß rettung!

ich hatte eine schöne kindheit
dachte ich





.august_2017

Thursday, 24 August 2017

kriegsspuren

kann sie nicht weglächeln
die leere in mir
konnte es noch nie
das weiß ich jetzt

doch zorn beherrsche ich nicht
als regung
ungreifbar bleibt er mir
und gut getarnt

fremd bin ich mir selbst
und unerforscht
und was ich für bewegung hielt
war doch nur flucht

vor dem schweigen
dem nicht-wissen
dem nicht-können-dürfen-wollen
dem stillstand

den ich schon immer so hasste
damals als kind
daheim
da fühlte ich noch

vier wände wie ein sarg
darin die lebenden
versteinert
verstummt

gefangen in leeren ritualen
im eigenen schweigen
aus lauter angst
vor dem fühlen

blind sollte ich sein
stumm sollte ich sein
lieb sollte ich sein
leicht zu ertragen

all das leiden
im gesicht meiner mutter
schuld
allgegenwärtig

warum dachte ich nur
es wäre die meine?





.august_2017