Dienstag, 21. Juni 2022

Sommerhunger




 













Wenn im Teich die Sonne funkelt, 
lautlos die Libellen schwirren,
nichts das Sonnenlicht verdunkelt,
fängt die Luft an leicht zu flirren. 

Lautlos die Libellen schwirren,
um uns das Konzert der Grillen! 
Fängt die Luft an leicht zu flirren,
lässt sich Sommerhunger stillen. 

Um uns das Konzert der Grillen - 
Eis am Stiel tropft von den Fingern.
Lässt sich Sommerhunger stillen,
dürfen Boot und Träume schlingern. 

Eis am Stiel tropft von den Fingern;
lassen unsre Seelen baumeln
und auch Boot und Träume schlingern,
seh'n die Schmetterlinge taumeln. 

Lassen unsre Seelen baumeln -
nichts das Sonnenlicht verdunkelt!
Seh'n die Schmetterlinge taumeln,
wenn im Teich die Sonne funkelt.





.jun2022
artwork: Claudia N.

Donnerstag, 16. November 2017

Alles gut

Über den Dächern mit Antennenwäldern
da ziehen Krähen; krächzen laut im Chor.
Sie sammeln sich auf Äckern, Wiesen, Feldern.
Mir kommt's wie ein Familientreffen vor.

Sie knarzen, kollern, kecksen, hüpfen, springen.
Sie spieln mit meinem Hund und foppen ihn.
Dann breiten sie gemeinsam ihre Schwingen
und fliegen fort; zu ihrer Schlafstatt hin.

Ich lausch, den Kopf im Nacken, und ich staune;
der Strom dicht über mir, scheints, endet nie.
Ein langes Band, gleich schwarzem Spitzensaume,
durchzieht den Himmel der Peripherie.

Fast mein ich, ich verlöre selbst den Boden
unter den Füßen; wäre Teil des Zugs.
Als würd ich eingewoben, mitgezogen -
ganz fest im Banne des Gesangs und Flugs.

Mir breitet sich im Herzen tiefe Wärme,
und Nebelzuckerwatte malt die Welt
in Silhouetten; hab dem Schwarm der Schwärme
mich gerne für ein Stück dazugesellt.





.nov2017

Sonntag, 5. November 2017

Kleine Ode an den Herbst

Krümmt Trockenheit schon graue Borke
und knistert Laub rotbraun im Wald,
ruhn längst im Schuppen Saat und Forke,
ist Sommers Klang weit schon verhallt,

und knarren kahle, weiße Birken
gemächlich überm Blättermeer,
hat Herbst mit leisem Zauberwirken
den Wald ganz ohne Gegenwehr

in seinen sanften Bann gezogen,
zur Ruh alle Natur gebracht.
Ganz unbemerkt kam er geflogen
auf weichen Schwingen über Nacht.

Vergänglichkeit, nie bist du schöner
als so in all der Farbenpracht!
Nie bist du sanfter als in jener
so goldnen Zeit voll Abschiedsmacht!

Nie fühl ich Wehmut reiner, süßer,
als just zu dieser Jahreszeit.
Ich lieb dich, Herbst, du Wintergrüßer!
Du machst mir Herz und Seele weit.








.Oktober_2017

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Metamorphosis

Herbstlaub, mählich mürb gemacht,
setzt, zersetzt sich, wird zu Erde,
dass im Frühjahr Neues werde,
aufersteh in aller Pracht!

Letzter Farbrausch, ein Sich-Bäumen,
Einmal-noch-vom-Sommer-Träumen,
hat ein warmes Glühn entfacht,
welches leise und ganz sacht

Wurzeln schlägt in unsern Seelen,
Glut wird, nährend, während Schwere
ersten Eishauchs letzte Ähre
bricht, um sie uns fortzustehlen.

Für ein Weilchen bloß! Im Stillen
muss das Wunder sich erfüllen
ewgen Kreislaufs, Jahr für Jahr.
Wandlung heißt, dass Nichts bloß "war".





.Oktober 2012

Das verwunschene Haus

(einem heiteren Dicht-Wettstreit entsprungen)


Schon immer, scheints, stand an des Waldes Saume,
umhüllt von Brombeerranken, ein Gemäuer,
als wäre es entstiegen finsterm Traume.

Noch keinem Wandersmann wars dort geheuer,
der hoffnungsvoll drin Schutz und Raststatt suchte,
sich aufzuwärmen an des Herdes Feuer.

Warn auch die Wandrer noch so wildverruchte -
schlugs zwölfe erst vom Kirchhof her im Turme,
da regte sich das Haus, das langverfluchte:

es schlugen Fensterläden wild im Sturme,
die Dielen ächzten unter schweren Tritten!
Der Mutigste sogar ward drob zum Wurme,

ist schreiend hoch zu Ross rasch fortgeritten,
davongestolpert, war er bloß zu Fuße;
hat um ein Haar den Schreckenstod erlitten,

im Ohr gehauchten Klang vom Geistergruße.
Vergessen wurd gesucht auf Bierkrugs Grunde,
nicht wenige auch taten betend Buße.
Doch alle warn ergraut seit jener Stunde.





.März 2012
(Terzine)