Thursday, 12 July 2018

Hashimoto Thyreoiditis

Es gibt in deinem Leben manchmal Zeiten,
in denen kannst du dir ganz leis entgleiten.
Du merkst es meistens erst, wenn es zu spät
und zu weit fortgeschritten ist - dann dreht

die Uhr verlorne Zeit dir nicht zurück,
erstattet niemand dir verlornes Glück,
verpasste Chancen, Lieben, Reisen, Abenteuer!
Du musst erkennen, dass nur du allein am Steuer

gestanden hast - und auch noch immer stehst.
Dass dies dein Weg ist, den du selber gehst.
Dass es allein in deiner Hand liegt, ob du scheiterst
oder im Vorwärts deinen Horizont erweiterst.

Mag sein, es gibt den Weg nicht mehr zurück
zu denen, die du liebtest, altem Glück,
zu Wegen, die du hättest anders schreiten,
zu Menschen, welche dich begleiten,

dich lieben, achten, stützen hätten können,
die du zurückgelassen hast im Nicht-Erkennen.
Es hat die Krankheit nicht nur dich verletzt.
Nun ist es Zeit, dass du hier einen Schlussstrich setzt:

lass all die Trübsal, all das Hadern hinter dir!
Öffne dir selbst, dem Leben, Freunden deine Tür!






.juli_2018_nach ca. 10 Jahren mit der Autoimmunerkrankung (inkl. der Zeit vor der Diagnose)

Thursday, 1 February 2018

Unausgereift

Und hielte ich nicht die Sprache hoch,
wie einen Schild,
mich zu schützen;
was sonst, denk ich, könnte mir nützen,
die Grenzen zu ziehn
vor Gedanken im Kopf;
im eignen und denen der andern?
Worte bannend - so möchte ich wandern.

Und führte ich nicht den Pinsel gut,
als Lanze, mich
färbend zu wehren;
was sonst, frag ich, wollte mich lehren,
die Linie zu ziehn
zwischen mir und der Welt?
An dieser entlang möcht ich gehen.
Fest verankert - so möchte ich stehen.

Und sänge ich nicht mir die Seele frei,
als könnte ein Lied
nur mich heilen;
was sonst, sag mir, sollte ich teilen
wie ein Eckchen vom Glück,
vom Erkennen den Hauch;
entzogen dem eignen Begreifen?
Wie ein Klingen - so möchte ich reifen.




Februar 2018

Thursday, 16 November 2017

Alles gut

Über den Dächern mit Antennenwäldern
da ziehen Krähen; krächzen laut im Chor.
Sie sammeln sich auf Äckern, Wiesen, Feldern.
Mir kommt's wie ein Familientreffen vor.

Sie knarzen, kollern, kecksen, hüpfen, springen.
Sie spieln mit meinem Hund und foppen ihn.
Dann breiten sie gemeinsam ihre Schwingen
und fliegen fort; zu ihrer Schlafstatt hin.

Ich lausch, den Kopf im Nacken, und ich staune;
der Strom dicht über mir, scheints, endet nie.
Ein langes Band, gleich schwarzem Spitzensaume,
durchzieht den Himmel der Peripherie.

Fast mein ich, ich verlöre selbst den Boden
unter den Füßen; wäre Teil des Zugs.
Als würd ich eingewoben, mitgezogen -
ganz fest im Banne des Gesangs und Flugs.

Mir breitet sich im Herzen tiefe Wärme,
und Nebelzuckerwatte malt die Welt
in Silhouetten; hab dem Schwarm der Schwärme
mich gerne für ein Stück dazugesellt.





.nov2017

Monday, 13 November 2017

in der falle

und wieder drehen sich in ewiggleichen tagen
gleiche gedanken um die ewiggleichen fragen:

wann hört es endlich auf? wann wird es wieder gut?
und wann verließ mich bloß das letzte fünkchen mut?
warum ist meine welt statt bunt nur düstergrau?
warum wird alles, was ich anfass, ein verhau?
wieso trifft es denn immer mich und nie die andern?
wann wird das unglück endlich fort- und weiterwandern
und sich ein neues opfer suchen für sein wüten?
warum denn nur kann nichts und niemand  mich behüten
vor schmerzen, angst, gram, krankheit, pech und kummer?
warum zieh eigentlich nur ich die loser-nummer?

so drehn sich stets in ewiggleichen tagen
falsche gedanken um die ewigfalschen fragen.





.november_2017

Sunday, 5 November 2017

Kleine Ode an den Herbst

Krümmt Trockenheit schon graue Borke
und knistert Laub rotbraun im Wald,
ruhn längst im Schuppen Saat und Forke,
ist Sommers Klang weit schon verhallt,

und knarren kahle, weiße Birken
gemächlich überm Blättermeer,
hat Herbst mit leisem Zauberwirken
den Wald ganz ohne Gegenwehr

in seinen sanften Bann gezogen,
zur Ruh alle Natur gebracht.
Ganz unbemerkt kam er geflogen
auf weichen Schwingen über Nacht.

Vergänglichkeit, nie bist du schöner
als so in all der Farbenpracht!
Nie bist du sanfter als in jener
so goldnen Zeit voll Abschiedsmacht!

Nie fühl ich Wehmut reiner, süßer,
als just zu dieser Jahreszeit.
Ich lieb dich, Herbst, du Wintergrüßer!
Du machst mir Herz und Seele weit.








.Oktober_2017