Posts mit dem Label kleinschreibung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label kleinschreibung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. März 2025

siebenkern

da sitzt ein siebenkern 
auf meiner fensterbank
und starrt mich fest
mit sieben augen an

schon gestern fragte ich
mich was so stank
es ist das nest
welches so fürchterlich

odöhrt mir widerfährt
als eins der grausamsten
dieses geschick:
es mieft

es sifft und trieft
von sattem rattensaft
sonnengekocht
wie hat er das geschafft

der kleine süße 
siebenkern die zu 
erwischen beinah
hätt ich ihn gemocht

Mittwoch, 29. Januar 2025

und du liegst wach

und du liegst wach
im dunkeln hängst
fest in den gedanken
und längst vergangnen zeiten
fragst dich warum
das grübeln hab ich damals
nicht hätt ich doch nur
und wäre ich doch schon
in jungen jahren ich
gewesen mir selbst
mehr freund und rat

so liegst du wach
du weißt es sind die falschen fragen
(zeitlebens lebt sich lebenszeit
stets dir entgegen
lehrt dich erst zeit
dich selbst zu lieben)
und fühlst zugleich
so muss es sein
das nie-ganz-ankommen
bei dir

noch beinah wach
im kreisen deines innern
greift schon ein dämmern
dir ins denken hebt sie
ans licht - die träume
noch zu kommender tage









Freitag, 15. November 2024

nabel

so mitten im nebel
bist du das zentrum deiner welt
erzeuger des knirschens
auf feuchtem kies
der wald nur noch einzelne
bäume am wegrand
dahinter verbirgt sich
alles oder nichts




.okt_2024

wolkenlos

die schweren wolken möchten gerne fliegen
und ihre hüllen dunklen graus verlieren
als weiße tupfen helles blau verzieren
anstatt als decke tief im land zu liegen

gehalten scheinen sie von regenschnüren
die fest verankert im schon nassen boden
und tief verwurzelt in den rasensoden
die angst nie mehr zu schweben schüren

nichts leichtes will und kann sich so entfalten
wenn tagelang bloß große tropfen fallen
und wolkenfetzen zwischen wipfeln wallen
im dauerrauschen haus und flur erkalten

jedoch sind sie mit wiederkehr gesegnet
vergießen -sammeln -dampfen kondensieren
bestimmt sich in dem kreislauf zu verlieren
und immer wird geschwebt bevor es regnet





.okt_2024

heimkehrer

den hügel bergan
schon die kirchturmspitze sehen

der mais salutiert am straßenrand
steht spalier vor blauem himmel
winkt mir nach

vor der friedhofsmauer
nicken sonnenblumenköpfe
ihr okay
das gelb verblasst

die katze schleicht
durchs stoppelfeld
hat keinen blick
für heimkehrer
wie mich

die herbstsonne wärmt
ein zuhause





.

Montag, 5. August 2024

dunst erhebt sich aus den wäldern

dunst erhebt sich aus den wäldern
krähen schreiten auf den feldern
jedes blättchen wippt und tropft
regengüsse gingen über
wald und ackerkrume nieder
hör nur - meister specht - er klopft

klopft an tiefgefurchter rinde
dass er fette Larven finde
eh' er suchend weiterfliegt
tropfen fallen aus den wipfeln
prallen ab von tannenzipfeln
bis sich jeder grashalm biegt

voll von wasserperlenketten
feuersalamander retten
sich indem sie bergwärts zieh'n
kleine bächlein gluckern leise
schneiden schneisen auf der reise
und die waldameisen flieh'n

nasse himbeersträucher schwanken
dicke weinbergschnecken zanken
viel zu langsam dass wir's seh'n
rote gummistiefel schmatzen
springkrautsamenkapseln platzen
dort am wegrand wo wir geh'n

hör - der wind bringt neues rauschen
sieh wie sich die blätter bauschen
da - der nächste regenguss!
schön ist so ein wald im regen
und auch nicht ein grund weswegen
man jetzt heimwärts gehen muss

also stapf ich noch ein stückchen
sammle hier und da ein glückchen
ach - wie ist's hier draußen fein!
ist es wahr? kommt da die sonne?
komplettiert die wanderwonne?
sag - was könnte schöner sein!







.aug_2024

Sonntag, 14. Juli 2024

sommernachtsgeschehen

von ferne klingt im nachhall bienensummen
es streckt ein weitrer heißer tag die müden glieder
und schickt im ersten kühlen hauch uns ein verstummen
er überlässt der nacht die große bühne wieder

im flug zerteilen fledermäuse abendlüfte
hinaus zieht's jene die des nächtens gerne schwärmen
und hin an schwere geißblatt- und lavendeldüfte
an sinnestaumel sich das herz zu wärmen

nun heißt's die milden stunden gut zu nützen
die pflanzen sammeln tau die menschen träume
und unken sich an letzten waldrandpfützen
zikaden kleiden weiden mit geschäume

es fallen perseiden ungesehen
ein glühwürmchen allein funkt noch signale 
schon bald endet das sommernachtsgeschehen
in sanftem morgenrot und erstem sonnenstrahle

es kriechen nachtschatten zurück in ihre ecken
die fledermaus hängt längst im dachgestühle
und vogelsang tönt laut aus dichten hecken
in ein paar stunden schon herrscht wieder sommerschwüle






.juli_2024

Dienstag, 4. Juni 2024

kinderspiel

unter dem strahlen der sonne
der blick von den zinnen

als hätte das riesenkind
lustvoll täler in den
sand gegraben ihn mit
hohler hand zu sanften
hügelketten geschoben
gehölze und raine an die
richtigen stellen gesetzt
mit den fingern weinberge
ins so erschaffne land
gekämmt und immer wieder
miniaturgehöfte kleine weiler
auch ein zwei kirchtürmchen
verteilt alles begrünt

darüber der ruf des falken
das jauchzen ob der
vollendeten schönheit





.juni_2024

über wien

mit einem wimpernschlag
über dächer steigen
fliegen bis an
die weiten wolkentürme

zwischen den schatten
schraubt es sich
glasklarem himmel zu
werden betonbergketten
zum legosteinmassiv

am horizont schläft sanftes
hügelkuppengrün dann dieses
nasenkitzeln von fernen
zwiebeltürmchen sonnenblitzen
an donaublaugefunkel

der blick schweift über
asphaltsteppe darin
inverse feenkreise
das herz erwärmt sich
mit der luft

und schwebt







.mai_2024 

nach rot

ich pflanz mein lächeln in dein trübes gelb
dein großstadtgrauverwaschnes leuchten
kämpft mit dem wind an häuserecken
flattert im sog des straßenbahngeläuts

gelbphase an der ampel

da weiß keiner so recht
was geht wo's hakt
wer warten sollte
und worauf

ich flechte meine finger in dein grün
unter den staubgebleichten krusten
sind wir noch immer humussatt geerdet
nur eine ampelphase noch ein hupen

die schwelle übertreten

dann weißt du auf einmal
was geht wo's hakt
worauf wir nicht mehr
warten sollten

im prater
blüh'n endlich
die bäume






.mai_2024

Dienstag, 12. Dezember 2023

aft werd's gaunz staad do umanaund

aft werd's gaunz staad do umanaund
da schnee deckt no de letzdn wüpfi zua
da haushund schlofd inta da ofnbaunk
ma bleibt im haus und ollas kimmt zua ruah

a weiße deckn legt se iwa stoa und föhd
und nua de kotz ziagt spurn wia ollawei
des is de zeid wo ma in d'fensta kerzal stöhd
und wo i mi auf tee und keksal gfrei

wo oide und a junge leit beinaunda huckn
da oane zitta spüd, da aundare gitar
wo mia bein singa gaunz noh zsaummaruckn
und neamt wos wissad wos nu scheena war

stüh liegt in tiafm wintaschlof da woid
und waun daun in da eckn 's krippal stehd
waun weiß da zauwa dicht vom hümmi foid
daun woas ma dass af d'weihnochd zuwa gehd





.dez_2023

Mittwoch, 9. August 2023

sommerregentag

da rieselt mir diese melodie
in die finger kommt von
werweißwoher vielleicht vom
regen der an die wände
trommelt vielleicht vom ächzen
der balken aus holz die sich
biegen als wollte das haus
seine steifen glieder strecken

lass meine fingergelenke knacken
versuche ihm nachzuspüren diesem
gedanken der wie ein dicht
gewobenes radnetz tropfen
vor dem aufprall rettet sie federn
lässt warte auf den wind der sie
zum tanzen bringt bis sie glitzern

im licht der durchbrechenden
sonne





.aug_2023

Sonntag, 4. Dezember 2022

ein neuer tag




vielleicht 
geweckt vom ruf 
der krähen im ersten grau 
des morgens deine konturen
sehen ihr sanftes heben 
mit dem atem in der stille
des zimmers

nur das holz knackt im haus 
lauscht seinen eigenen träumen
mit fingerspitzen furchen ziehen
in dein graumeliertes haar
in die säe ich wünsche 
für einen guten
tag 







.dez_2022

Donnerstag, 17. November 2022

Am Buchberg



drückend und schwül steht heut die luft
am buchberggipfel ringsumher.
vor schwarzen wolkentürmen ruft
der bussard und gewitterschwer
verhängt der dunst schon berg und see,
verblauen schiffe, wälder, gipfel,
verschmilzt fast alles, was ich seh,
zu heißem dampf. die letzten wipfel
verlieren ihre scharfen schatten,
es schwinden dörfer, almenmatten -
als wärn sie dieser welt entrückt; 
als wär die hinter zauneslatten
am wegesrand nicht mehr bestückt.

's gibt nur noch mich, des pfades boden,
an seinem saume letzte stämme,
dazwischen ein paar waldgrassoden,
ein grollen, welches bergeskämme
im rollen seiner echos malt;
ein noch gebändigtes gekose,
das von gesteines wänden hallt. 
nicht lang; dann brechen mit getose
die allerletzten wolkendämme,
ergießt sich eine flutenschwemme,
um kraft ihrer naturgewalten
- ganz ohne, dass sie etwas hemme -
den berg aufs neue zu gestalten!

der bussard ist davongeflogen,
ich flieh zur alten holzknechthütte. 
als dann das wetter fortgezogen,
lenk ich behutsam meine schritte
den berg hinab - auf neuen wegen.
das herz klopft laut, die knie sind weich.
die alten pfade fraß der regen.
ich menschlein bin noch! welch ein segen!
dies ist des wettergottes reich!





.aug_22

Mittwoch, 11. Oktober 2017

zu spät gestellte frage

lieber herr gernhardt,
ich will es nun wagen
und möchte sie fragen,
ob in all ihren tagen,
auch dann, wenn glück fern ward,
man das leben noch gern hat.

ich weiß, das klingt dumm!
nehmen sie´s mir nicht krumm -
ich bitt sie darum!

doch in ihren gedichten
und auch den geschichten
verträgt sich schlechtes mit gutem
und das lässt mich vermuten,

dass das leben für sie
immer war, was es ist;
nie ganz immer, niemals nie,
doch stets glück neben leid, 


und voll sinn und beschiss.





.Juli 2008



unsichtbar

heut war wieder einer jener tage
an denen ich unsichtbar
durch die stadt gehen konnte
inmitten der dichten menschenströme
schlenderte ich neben der zeit
die auslagenscheiben entlang
hangelte meine gedanken
mechanisch mit meinen blicken
von auslegeware zu hausmauer
zu auslegeware zu
hausmauer zu versunken
in mich
unberührbar für die außenwelt
im grau in grau des asphalts
lineare muster
denen ich folgte
bis zu dem punkt
an dem du mich angerempelt hast
und ich erkennen musste
dass ich einsam bin

unter vielen





.2008

auf der baumgartner höhe, pavillon annenheim



bitte, mama,
erzähl mir von deiner angst!
ich weiß, sie erfüllt das kahle zimmer,
sobald die besuchszeit zu ende ist
und die flügeltür hinter mir zufällt.

du sprichst nie.
wenn, dann über die schlagzeilen der illustrierten von vor drei monaten,
die hier herumliegen,
oder deine zimmergenossinnen.

nie fragst du.
nicht um trost.
nicht um hilfe.
nicht danach, was mit dir geschehen wird.
dann, wenn der krebs beginnt, dich vollends zu verzehren.
hüllst dich in palliatives totschweigen.
so wie dein ganzes leben schon.

meine angst
nehme ich jeden tag, an dem ich kommen kann, mit.
lasse sie gut angeleint vor deinem zimmer warten,
um sie beim nachhauseweg dort wieder abzuholen.
sie übernachtet bei mir.
jede nacht
seit du nur noch darauf wartest, dass „es“ vorbei geht.

du wolltest nie, dass wir,
deine töchter, dich so sehen.
nun kannst du nicht einmal
meine helfenden hände an dir ertragen,
meine gutgemeinten worte hören, die dich so quälen,
meine haltsuchenden blicke erwidern.
ich verspreche, ich werde nicht hinsehen!
ich verspreche, ich werde dieses bild von dir vergessen!
mein erstes wichtiges versprechen,
das ich nicht werde halten können.

doch du schweigst.
lange, bevor du die sprache verlierst.
bevor du hinter nebelwänden aus schmerzlosigkeit verschwindest.
sie verschlucken dich eines tages.
dann bist du nicht mehr da.
obwohl wir dich noch deutlich sehen können.
nur zu deutlich.

die angst
mag nun nicht länger draußen warten.
weit offen
steht die flügeltür.
vogelgezwitscher im park.

schließlich bist du verstummt.
anders als das vertraute schweigen,
das dich durch dein ganzes leben begleitet hat.
lässt uns zurück,
ohne dich jemals ganz erfahren zu haben.
dein blick ist so fern.
nun kann ich sie nicht einmal mehr
in deinen augen lesen,
deine angst .

ich hätte sie auf meinen schultern
mit zu mir nach hause getragen,
damit sie dir nicht länger zur last fällt.
jede nacht
und jeden tag.
sie hätte zu meiner angst gesprochen
wie eine alte bekannte.
vom mut der verzweiflung.
von den schönen dingen, die waren.
von der hässlichkeit.
von der natur der vergänglichkeit.
von ihrem eigenen wesen.
und ich hätte zugehört.

so
wie ich dir immer zuhören wollte.

stille.
endgültig und unerträglich wie am ersten tag.

meine schultern tun so weh.






.2008 (2005)


familienfotos

heut hab ich staub 
von deinem gesicht 
gewischt
und deinen wärmenden blick 
wiedergefunden

doch deine lippen
verschließen sich noch immer
wie in all den jahren
meines kindseins
jedem liebenden wort

dort
lasse ich den staub einfach 
liegen





.Juni 2008





annäherung

abstand zu halten
mich langsam
nicht vertrauten
unebenheiten zu nähern
schützt
vor hautabschürfungen
und so manchen
platzwunden
nach dem aufprall

ich sollte es wissen
mittlerweile

doch ich lege
so gerne
meine wange

an raues gestein







.Oktober 2008

ohne titel

der grund, weshalb ich ingeborg
nur ungern manche dinge borg
ist ähnlich dem, warum der gerd
auch nicht mit meinem wagen fährt.




.April 2016