Monday, 19 June 2017

Dämmerschoppen

Sommer; auf Libellen reiten,
lauer Abend unter Bäumen,
kühle Luft an Wiesensäumen,
wo die Schatten sacht sich breiten.

Und ein Achtel folgt dem andern,
deine Zehn im kühlen Rasen
rupfen Halme, spürn beim Grasen
leis ein Kitzeln, wo sie wandern.

Schön ist dieser Abendfrieden!
Schweigend sitzt man in der Runde
und genießt zu später Stunde
Pausenzeit vom heißen Sieden.

Längst schon ging die Sonne unter
und des Tages Last verloren.
Trägheit strömt durch alle Poren.
Morgen bist du wieder munter!




.juni_2017

Saturday, 29 April 2017

Für Georg

Als Mutter zu bestehen ist kein Leichtes!
Dies weiß ich wohl und dass mir nicht gelingt,
stets schweigend zuzusehn, damit Erreichtes
auch Selbst-Erlebtes wird und dich beschwingt
als Sicherheit in deinem Tun und Streben.
Das ist, was ich mir fest für dich ersehne!
Doch fällt mir schwer, dich vollends freizugeben,
wo ich dich noch in Kinderschuhen wähne.

Mir scheint's, als wurdest gestern du geboren;
als liefst die ersten Schritte du vor Stunden.
Inzwischen ist, was kindlich war, verloren;
nur Ahnung mehr. Und dennoch tief verbunden
sind du und ich, auch wenn sich still und leise
schon Sprache ändert, Tonfall und Berührung.
Ich will dir Hafen sein nach jeder Reise
und lass auch immer öfter dir die Führung.

Doch treibt mich wieder mütterliches Bangen
und überfällt zu schützen mich der Drang,
versteh; ich habe grad erst angefangen
dich loszulassen; werd' mein Leben lang
mir wünschen, dass gelänge, dich zu hüten
vor Kummer, Leiden, Misserfolg und Gram.
Mit Nachsicht mögest du mir dies vergüten
und auch mit einem Rüffel dann und wann.

Es ist nicht so, dass ich nicht an dich glaube.
Im Gegenteil - du bist mein ganzer Stolz!
Und wenn ich dir die Luft zum Atmen raube,
verzeih; ich bin geschnitzt aus Mutterholz.




.April 2017

Friday, 21 April 2017

Für Franz

Der Schwedenbombenkuss um fünf am Morgen
im Partykeller war mein Liebesschwur.
Mein Herz, so sagte ich, würd ich dir borgen
im Tausch für deins. Du blicktest auf die Uhr

und meintest, dass du leider in zwei Stunden
nachhause fahren müsstest mit der Bahn.
Viel lieber würdest du noch mehr erkunden
von dem, was ich mit Schwedenbomben kann.

Die Tram in Richtung Bahnhof war auch meine.
Wir saßen glücklich, ganz von uns berauscht,
gebrauchten keine Worte, fanden keine.
Fast hätten wir die Nummern nicht getauscht.

Als du dann anriefst nach dem Wochenende,
war ich auch nicht ein Fünkchen überrascht.
Ich wusste, wen ich bombenküssend fände,
der weiß - wie ich - wovon man gerne nascht.

Wir hatten ein paar wundervolle Jahre,
wir liebten, lebten, lachten gern und viel.
Dann teilten wir das Schicksal vieler Paare -
es änderten sich Gangart und auch Ziel.

Ich denk heut oft, wir hättens hinbekommen,
wärn wir ein wenig reifer nur gewesen.
Ich weiß, ich war zum Schluss recht unbesonnen.
Erst letztens hab ich wo von dir gelesen,

dass du Theater spielst und unterrichtest,
dass du auch eine Frau und Kinder hast.
Wie schön! Und wenn du Schwedenbomben sichtest,
dann hoff ich, dass für dich jetzt alles passt.




.April 2017

Friday, 7 April 2017

Stockwerk fünfunddreißig

Er lebt schon seit er denkt in seiner Blase
in Stockwerk fünfunddreißig, Stiege vier,
wo mal von links, mal rechts des Baukrans Nase
vorüberschwenkt und -gleitet. Vor die Tür
geht er schon längst nicht mehr; die vielen Stimmen,
sie zerren an ihm, suchen ihn zu biegen.
Doch können seinen Turm sie nicht erklimmen!
Noch wird er ihrem Drängen nicht erliegen!

Einst lebte er mit Mutter hier. Gegangen
ist sie von ihm vor ewig dunklen Zeiten.
Seitdem ist er in diesem Loch gefangen,
versucht er mit Vergessen zu bebreiten
die Flure, Winkel, Kammern - Zeitretorten,
befüllt mit Tüten, Kisten, Magazinen
erschafft er emsig sich an allen Orten.
Besuch lässt er nie ein, denn ihre Mienen

verstörn, ermahnen, ekeln ihn zu heftig.
Die kleine Rente reicht zum Glück zu bannen,
was immer ihn zu tief, zu hart, zu kräftig
berühren könnte an den alten Schrammen.
Den Pizzamann kennt er bereits seit Jahren,
Kartons mit Rändern, Flecken, Essensresten -
verfeinert über Jahre das Verfahren,
mit ihnen all die Mauern seiner Festen

mit Mänteln auszukleiden, zu verstärken;
In vielen Zimmern kann er nur noch stehen.
Und nie ist er zufrieden mit den Werken;
es muss noch höher, dichter, sichrer gehen!
Allein die Post zu holen ist gefährlich -
gottlob bleibt man im Block hier anonym!
Er hält sich ohnehin für höchst entbehrlich.
Was könnte man schon wollen - grad von ihm?!

Stets lebt er im Gefühl, dass nicht geborgen
und schutzlos, ohne Sinn in seinem Leben,
er vielmehr sitzt als steht. Und dass den Sorgen
er nie so recht entkommt in all dem Streben.
Stets fühlt er sich nur halb und kann nicht fassen,
was er mit aller Macht zu halten sucht.
Stets hockt er hier, allein, in all den Massen;
vergessen, ungeliebt und wie verflucht.




.april_2017

Saturday, 1 April 2017

Morgens an der Alten Donau

Die Krähen ziehen von der Donauinsel
auf ihrem Weg hoch über meinem Kopf.
Es malt Natur mit blau-grau-grünem Pinsel,
tunkt Farben heute aus dem Nebeltopf.

Beinahe kann ich schon die Sonne ahnen;
mir prickelt ihre Wärme im Gesicht.
Ins Wasser pflügen Schwäne ihre Bahnen;
noch ziert das Schneeweiß ihr Gefieder nicht.

Es zeigt das Schilf die ersten grünen Triebe
(im Sommer weht kein Wind an diesem Eck)
und dann - oh, wie ich diesen Anblick liebe! -
stelln Haubentaucher ihre Mützen keck

wie Segel (kleine!) in das sanfte Wehen.
Die ersten Algen werden auch verschenkt!
Ich muss - allein, ich möchte noch nicht gehen,
weil dieser Ort mich grad mit Glück bedenkt.

Wär's möglich, blieb ich hier für immer sitzen
und Wurzeln würd ich schlagen, tief und fest,
mein Zeichen in die bleichen Planken schnitzen,
damit der Zauber nicht mein Herz verlässt.





.märz_2017