Donnerstag, 17. November 2022

tischnummer vier

 


und endlich wird es in mir still
gespräche verwaschen
zu einem teppich 
aus sanftem gemurmel
drüben am fenstertischchen
die dunklen silhouetten 
zweier damen über cremeschnitten 
gebeugt und vom alter
nur kurz verschwinden sie
vorm schwarzen farbband
als die tram vorbeirauscht

der regen bleibt draußen
nur ab und zu heftet er sich
neugierig an die fersen 
eines neuen gastes
gemeinsam mit einer flüchtigen
ahnung von verkehrslärm
ähnlich vergänglich und 
wiederkehrend wie das 
leise klingeln rührender löffel 
in stets zu kleinen tassen

ich halte mich fest
am duft des kaffees
an der bauchung des porzellans
lasse mich zärtlich zudecken
vom rascheln gemächlich geblätterter 
zeitungsseiten
vom genäselten dialog
der zwei alten herren am tisch
nebenan wird die welt in worte
gefasst und nichts ist so wichtig

dass nicht die zeit für eine weile
angehalten werden kann
im kaffeehaus





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